Reise nach Jerusalem (Tag 13): Stundenlang in jordanischen Polizeistationen



13-120642-213.10.2016

Um 6:30 Uhr gibt es Frühstück, denn wir haben noch eine etwa zweistündige Fahrt durch die Wüste vor uns. Unser Ziel am Vormittag heißt Wadi Rum.

Wadi bedeutet Tal und Rum heißt hoher Berg. Also bedeutet Wadi Rum „Tal der hohen Berge“. Auf dem Weg wird es auch immer wärmer. Ich schätze wir haben hier 36-38 Grad, aber durch die Trockenheit ist es angenehmer als 30 Grad in Deutschland.  Am Straßenrand sehen wir immer wieder die Zelte der Beduinen mit ihren Ziegenherden.

Am Eingang in den Nationalpark Wadi Rum steigen wir um auf die Ladefläche der Geländewagen der Beduinen und fahren tiefer hinein in die Wüste. Die hohen Felsen und Berge um uns herum und dazwischen immer wieder okkerfarbene Sanddünen lassen die Kameras klicken. Wow! Hier ist nicht nur der Film über Lawrence von Arabien gedreht worden,  hier hat er auch wirklich gelebt und gewirkt. Lawrence von Arabien war britischer Offizier und Geheimagent während des ersten Weltkriegs. Er war einer der Anführer des arabischen Aufstands gegen das osmanische Reich und für viele Araber ein Held.

Auf unserer Tour durch das Wadi machen wir immer wieder Halt bei Beduinen, die uns zum Tee einladen oder uns für ein paar Dollar den Ritt auf ihren Kamelen.  Die Tiere lassen auch eine Menge quatsch mit sich machen. Nach dem Mittagessen liegt eine lange Strecke von Süden nach Norden durch fast ganz Jordanien vor uns.

Etwa 20km vor der Grenze stelle ich fest,  dass sämtliches Bargeld aus meinen Portemonnaie verschwunden ist. Meine Kreditkarte ist noch da, aber etwa 50€ und US$100 fehlen. Ich prüfe meinen Rucksack nochmal und nochmal. Das Geld ist weg. Aber die Dollars in meinem Versteck im Rucksack hat der Dieb nicht gefunden. Ich hatte bei der Einreise nach Jordanien US$40 in jordanische Dinar gewechselt und danach meine Geldbörse verstaut. Erst kurz vor der Grenze will ich mein Geld für Ausreisegebühr aus der Tasche holen und stelle den Diebstahl fest. Es muss also irgendwo im Bus oder während des Aufenthalts im Camp gestohlen worden sein.

Also auf zur nächsten Polizeistation um eine Anzeige aufzugeben. Ich habe eine Reiseversicherung und möchte versuchen über die Versicherung mein Geld wiederzubekommen. In der Polizeistation erkläre ich meine Geschichte einem Polizisten. Mein Guide unterstützt mich dabei. Als er noch einmal nachfragt,  ob ich das Geld verloren habe,  oder ob es gestohlen wurde,  sage ich ihm dass es definitiv gestohlen wurde. Ok….  Wir müssen in ein anderes Büro.  Und plötzlich ist die Polizeistation wie leergefegt. Aber dann erwischen wir doch noch jemanden. Ich erzähle noch einmal meine Geschichte und er sagt uns dann,  dass ich die Anzeige nur dort stellen könne,  wo der Diebstahl stattgefunden hat.  Aber nicht in seiner Polizeistation. Oder ich fahre zur Tourist-Police an die Grenze.  Na das liegt ja eh auf dem Weg. Nach etwa einer Stunde geht die Fahrt also weiter zur Grenze. Erschwerend kommt hinzu,  dass der Grenzübergang nach Israel nicht ganz einfach ist. Aber dazu später mehr. Also erst einmal zur Grenze und dem freundlichen Grenzer der in unseren Bus kommt den Reisepass zeigen. Weiter geht’s zum Überprüfen unseres Gepäcks. Wie steigen also aus unserem Bus aus und lassen unser Gepäck scannen. Anschließend steigen alle anderen aus der Gruppe wieder in den gleichen Bus. Es gibt keine Markierung dass unser Gepäck gescannt wurde. Na das ist ja mal eine tolle Kontrolle. Unser Guide kümmert sich währenddessen um unsere Reisepässe. Und ich warte im Büro der Tourist-Police.  Bald ist auch mein Guide dabei. Denn der Beamte der Touristen-Polizei spricht kein englisch. Also erzähle ich nochmal meine Geschichte.  Und der Guide übersetzt. Dann telefoniert der Beamte einige Male und wühlt im einzigen Schrank im Büro herum. Der Schrank ist voll mit Stapeln loser Papiersammlungen. Dann hört er auf zu suchen und wie ich erfahre, müssen wir auf seinen Chef warten. Währenddessen warten die anderen der Gruppe draußen im Bus. Und nach etwa 20min ist dann auch der Chef der Tourist-Police da. Jetzt wird wieder der Schrank geöffnet und gemeinsam gesucht. Und nebenbei telefonieren beide Beamte mittlerweile mit drei Telefonen.  Und finden im Schrank nicht das gesuchte Formular. Das kommt dann aus dem Faxgerät. Es kann weiter gehen. Ich erzähle meine Geschichte ein weiteres Mal dem Polizeichef während er fleißig mitschreibt. Ganz nebenbei erklärt er mir noch,  dass ich ja nicht bestohlen worden sei,  weil ja nichts an meinem Rucksack beschädigt wurde. Mir ist das mittlerweile ziemlich egal. Ich benötige nur noch eine Bescheinigung oder etwas Anderes was ich der Versicherung vorlegen kann. Der Polizeichef füllt also weiter sein Formular aus und ich bekomme ein Formular, welches ich ausfüllen muss. Es geht also doch langsam voran. Jetzt muss nur noch der Hilfsbeamte losrennen und ein paar Kopien ziehen.  Ich weiß nicht welcher der beiden Polizisten es als erster bemerkt hat,  aber scheinbar ist es das falsche Formular, welches wir ausgefüllt haben. Wir haben das Formular für verlorene Gegenstände wie z.B. eine Kamera oder einen Rucksack, verwendet. Aber wir müssen das Formular für gestohlenes Geld verwenden. Das gibt es aber in der Station der Touristen-Polizei nicht. Dazu müssen wir in die Hauptstadt Amman fahren. Mittlerweile sind wir schon fast zwei Stunden bei der Touristen-Polizei. Und die anderen aus meiner Gruppe warten noch immer draußen im Bus. Unser Guide hat nebenbei organisiert dass der Bus, der uns auf der israelischen Seite der Grenze bereits erwartet noch länger wartet. Der Polizeichef telefoniert noch unzählige Male um mir irgendwie zu helfen. Selbst als ich bereits aufgebe und ihm sage,  dass ich nicht zurück nach Amman fahre mir dann noch ein Hotel nehmen müsste,  der Polizeichef versucht es weiter. Nach zwei Stunden gibt auch er auf. Ich werde versuchen irgendetwas über den Veranstalter zu regeln.

Also geht es weiter mit dem Grenzübergang nach Israel. Die jordanische Seite haben wir ja bestens geregelt und wir sind in Jordanien ausgereist.  Unser Bus fährt uns über den Jordan. In der Mitte des Flusses verläuft die Grenze. Wir betreten israelischen Boden. Uns steht aber noch der komplizierteste Abschnitt der Einreise bevor. Auf der israelischen Seite geben wir zuerst unser Gepäck auf.  Dieses läuft wie am Flughafen an einem gesonderten Sicherheitscheck. Dafür bekomme ich einen Aufkleber auf meinen Reisepass. Weiter geht’s zur ersten Passkontrolle.  Die üblichen Fragen: was machen sie in Israel? Wie lange wollen sie bleiben? Wo übernachten sie? Kennen Sie jemanden in Israel? Reisen Sie alleine? Blablabla…  hier bin ich recht schnell durch. Weiter geht’s zum persönlichen Sicherheitscheck. Also wie am Flughafen alle Metallgegenstände in eine Wanne legen. Den Gürtel, Smartphone und am besten einfach alles,  was in der Hosentasche ist ebenfalls. Der Abschnitt ist auch gemeistert.  Jetzt kommt die richtige Passkontrolle.  Ich werde wieder die üblichen Fragen wie bereits wenige Minuten vorher gefragt. Aber zusätzlich werden noch fragen nach meinen Eltern und nach meinen Großeltern gestellt. Wissen „Die“ das wirklich alles? Nach ein paar Minuten ist auch das geschafft.  Die nächsten beiden Kontrollen wollen noch einmal meinen Reisepass und die Sticker auf dem Pass sehen und natürlich das Visum welches gerade in Form einer kleinen Karte erteilt wurde checken. Und dann… ja dann bekomme ich auch mein Gepäck wieder und stehe sauber durchgecheckt auf israelischem Boden. Und wenige Minuten später auch die anderen der Gruppe. Wow! Was für eine Prozedur!

Und jetzt nur noch eine Stunde bis nach Jerusalem.  Was sind doch die offenen Grenzen in Europa für eine tolle Sache!