Nepal Tag 10: Der Große Tag: Es geht über den Thoron-La-Pass (5416m)



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Dieser Tag ist das absolute Highlight während unserer Nepal-Reise. Dieser Tag wird sehr anstrengend und ziemlich gefährlich werden. Unser Tag beginnt um 4 Uhr morgens mit dem Aufstehen und packen. 4:30 Uhr Frühstück und um 5 Uhr geht’s dann endlich los: wir starten den Aufstieg zum Thorung La Pass auf 5416m! Es geht weitere 500m nach oben. Und dabei sind wir schon auf fast 5000m und ziemlich  dünner Luft. Um kurz nach 5 Uhr morgens ziehen wir also los. Es ist tiefschwarze Nacht und wir haben unsere Stirnlampen auf. Es ist ziemlich kalt. Irgendwas unter -10 oder -15 Grad. Den schmalen Trampelpfad durch den Schnee, den wir am Vortag noch gesehen haben ist mittlerweile durch den kalten Wind zugeweht. Für uns sieht es so aus als ob hier nie ein Weg existiert hat. Der Nepali-Guide von Markus und Cedric (aus der Kartenspieler-Runde) stapft uns einen schmalen Trampelpfad in den Abhang. Über uns Schnee. Unter uns ebenfalls Schnee. Und es geht steil bergab. Wer hier ausrutscht, der rutscht eine Weile. Was weg ist, ist dann auch weg.  Wir stapfen also bei Eiseskälte im Dunkel auf einem eisigen Abhang im Himalaya herum. Gut zu wissen, dass hier auch kein Hubschrauber landen kann.
Nach ca 1,5 Stunden erreichen wir ein Etappenziel: ein Teahouse auf 5200m mitten im Himalaya. Na wenn das keine Einladung ist. Und für europäische Verhältnisse ist der Tee auch nicht teuer. Ein Pott Schwarzer Tee kostet ca 0,80€. Genau das richtige um die Hände wieder aufzuwärmen. Ich kann schon eine leicht Blaufärbung meiner Fingerspitzen erkennen. Brrhhh ist das kalt. Waren wir nicht vor ein paar Tagen noch an Bananen-Stauden vorbeigelaufen? Mein Wasser ist im übrigen auch bereits gefroren. Anschließend geht es weiter durch die Eiswüste. Mittlerweile ist die Sonne aufgegangen. Der Weg führt durch den Schnee von einer Bergkuppe zur Nächsten. Und stundenlang hoffe ich: hinter dieser Kuppe muss der Pass liegen. Liegt er nur nicht. Es geht in Slow-Motion voran: 20m dann wieder Pause. Bergauf mache ich auch gerne mal öfter eine Pause. In dieser Höhe ist jeder Schritt um ein vielfaches anstrengender. Und Schritt heißt hier: einen Fuß vor den anderen Fuß setzen. Ohne Luft zwischen den Füßen zu lassen. Manchmal auch weniger. Ich habe Durst und Hunger. Durch die Höhe kommen noch Kopfschmerzen dazu. Jetzt ist Willenskraft angesagt. Weit kann es nicht mehr sein. Ich freu mich schon auf den Abstieg, obwohl ich noch nichtmal beim Pass angekommen bin. Der Pass taucht um ca 9 Uhr hinter einer Kuppe auf.
WOW! Endlich! Von Bildern aus dem Internet weiß ich, dass das Schild mit der Aufschrift „Thorung la 5416m“ normalerweise mannshoch ist. Heute musste es erst einmal freigeschaufelt werden,so eine enorme Menge Schnee liegt hier. Im Teahouse am Pass gönnen wir uns eine Tasse Black Tea für 110 NPR (ca 1€) und genießen die Aussicht. Die Aussicht in das Tal auf der anderen Seite ist gigantisch. Nach dem Tee und zwei Müslieriegeln machen wir uns an den Abstieg. Und wir wissen nicht was uns da noch erwartet! Unser Ziel für den heutigen Tag ist das nächste Dorf bzw Stadt „Muktinat“ auf 3800m. Das bedeutet wir müssen jetzt wieder 1600m nach unten. Und das geht durch Schnee und Eis. Der Weg nach unten ist bereits festgetreten durch die anderen Wanderer und ziemlich glatt. Also gehen wir immer an der rechten oder linken kannte des Weges um im Schnee etwas halt zu finden. Da steckt man dann aber auch mal schnell bis zur Hüfte im Schnee oder rutscht trotzdem aus. Ich bin nicht der Einzige, der sich hier auf die Klappe legt: Ich höre immer wieder Flüche in viele verschiedenen Sprachen. Erst kurz vor Muktinat hört der Schnee auf und geht in Matsche über. Auch nicht viel besser, aber wenigstens sieht man auf welchen Stein man gerade fällt. In unserem Hotel in Muktinat gönnen wir uns erstmal eine Wärme Dusche. Die erste seit 4 Tagen. Was für ein Genuss.

 Was für ein Genuss. Vor dem Abendessen schauen wir uns aber noch in Ruhe den buddhistischen Tempel von Muktinath an.