Nepal Tag 11 & 12: Durch die Wüste zu den Orangenbäumen (Muktinat – Kagbeni – Tatopani)



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Tag 11: Heute lassen wir es nach dem anstrengenden gestrigen Tag etwas ruhiger angehen: Frühstück erst um 8 Uhr. Anschließend brechen wir auf Richtung Kagbeni. Kagbeni liegt auf etwa 2800m Höhe und somit geht es für uns wieder abwärts. Wir wollen allerdings nicht die übliche Route laufen, die auf der Piste entlangführt und wählen eine Route auf der anderen Seite des Tals. Wir gehen erstmal durch Reisfelder hinab zu einem Fluss. Über eine wackelige Holzbrücke, naja eigentlich sind es nur ein paar Baumstämme, geht es über den Fluss um anschließend eine steile Kletterpartie die sandigen Felsen zu erklimmen. Oben sehen wir nur Reisfelder und wissen, dass wir nach Nord-Westen müssen. Also geht es irgendwie zwischen den Feldern hindurch immer wieder auf und ab. Irgendwann stehen wir dann in dem Örtchen Dzong. Jetzt wird es wieder einfacher: ein kleiner Fahrweg führt uns durch Putak. Ab jetzt gibt es keine Reisfelder mehr. Unser Weg führt uns durch eine Wüste. Vereinzelt sind kleine Büschchen zu sehen. Sie sind etwa so groß wie meine Faust. Es ist trocken, staubig und fast ohne Vegetation. Es weht ein starker Wind aus Westen entgegen. Irgendwie passt das alles nicht zusammen: unten die sandige Wüste und oben die schneebedeckten Eisriesen. Das sind zwei Landschaftsformen, die so garnicht zusammen passen wollen. Unten könnte man einen Winnetou-Western drehen und oben einen Sissi-Film mit den Bergen im Hintergrund.
Nach weiteren etwa zwei Stunden erblicken wir eine kleine Oase: Tiri. Das Örtchen gehört schon zum autonomen Königreich Mustang. Ein paar Minuten später erblicken wir Kagbeni. Der Ort liegt wirklich wie eine Oase vom Grün umgeben in der Wüste. Dort fließen zwei Flüsse zusammen und zwei Täler stoßen hier aufeinander. Ein idealer Ort für eine „Stadt“.
Die Gassen von Kagbeni sind schmal und verwinkelt. Hier verläuft man sich schnell.
Nach dem Mittag schauen wir zu Jeep-Station um uns einen Platz im Jeep nach Tatopanie am nächsten Tag zu sichern. Dort treffen wir ein Ehepaar aus England, mit denen wir uns bereits mehrmals unterhalten haben. Sie wollen nah Pokhara. Wir erfahren, das wir mit dem Jeep bis Jomson kommen und von dort weiterfahren können. Zufälligerweise erscheint noch ein Engländer mit seiner Frau und seinem Guide die auch zum Flughafen nach Jomson möchten. Wir beschließen keinen öffentlichen Jeep zu nehmen, sondern chartern selbst einen und teilen die 4080,-NRP unter uns auf. Die Fahrt verläuft problemlos auf der holprigen Piste bzw durch das Flussbett.
Tag 12: Eine ruckeliege Busfahrt in den Sommer. Heute fahren wir mit dem öffentlichen Bus von Jomson nah Tatopani. Dafür gibt es zwei Gründe: zum Einen geht der Weg durch das Kali Gandhaki Tal wieder durch eine staubige Wüste die dazu noch von starken Winden durchzogen ist. Nicht gerade sehr angenehm. Und zum Anderen wollen wir am 25.3. in Pokhara sein, da dort am 26.3. das Holi-Festival stattfindet. Bei diesem Fest der Hindus wird der Winter mit bunten Farben vertrieben. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir kaufen also am Vorabend bereits unsere Tickets und sind pünktlich um 7Uhr am Bus. Sogar „unser“ Trekking-Hund Chapati ist wieder da. Wir haben ihn schon gestern in Jomson getroffen. Auch er muss über den Pass gelaufen sein. WOW! Was für ein Hund.
Die Busfahrt ist extrem ruckelig auf den steinigen und löchrigen Pisten. Obwohl es eigentlich nicht nicht einmal Pisten geschweige denn Straßen sind. Auf denen wir vorwärts kommen. Der Weg führt teilweise durch das steinige Flussbett, dann wieder am Hang entlang. Leitplanken gibt es nicht und eigentlich ist die „Fahrbahn“ nur einspurig ausgelegt. Das führt bei uns Europäern zu Angstschweiß auf der Stirn wenn auf einmal ein LKW oder Bus entgegenkommt. Aber irgendwie passen auch zwei Fahrzeuge auf diese Piste. Allerdings nur mit Einweiser hinten und vorn, und zwischen Felswand, LKW, Bus und Abgrund passt keine Hand mehr dazwischen. 2011 war ich auf der „Deathroad“ in Bolivien unterwegs. Das war im Gegensatz hierzu nur eine Carrera-Bahn im Kindergarten.
Teilweise können wir wegen des vielen Staubs, aufgewirbelt durch den Wind, nichts mehr sehen. Das Tal wirkt wie ein Kamin: wird es unten im Tal auf ca 1000 Höhenmetern wärmer , dann zieht der Wind wie durch einen Kamin-Schlot nach oben  in die Gebiete um 3000m.
Ab Kalopani wird es immer grüner und die Gerste hat hier nur noch wenige Wochen bis sie geerntet werden kann. In Tatopani angekommen sind wir ziemlich durchgerüttelt und ich habe einige blaue Flecken an der Stirn da ich doch öfter Kontakt mit der Bus-Karosserie hatte. Aber: Wir sind im Sommer. So schnell geht das. Hier in Tatopani wachsen Bananen und Orangen direkt vor unserer Tür. Für meinen frischen Orangensaft werden die Früchte frisch vom Baum geholt. Paradiesisch!
Der Rest des Tages gilt es sich also auszuruhen und zu chillen. Die nächsten zwei Tage gilt es 2000m nach oben zu steigen zum „Poon Hill“. Vor zwei Tagen waren wir noch bei Eis, Schnee und klirrender Kälte auf dem Thorung La Pass und nun sitzen wir bei 30 Grad unter Palmen und schwitzen.
Nepal ist voller Kontraste und Gegensätze.
Irgendwie ist es schon ziemlich ungewohnt einen Tag nicht zu laufen. So haben sich unsere Beine schon an die vielen Kilometer gewohnt.