Fledermausscheiße!

12.07.2017

Unser Frühstück genießen wir auf der Terrasse unserer Unterkunft. Amanda fühlt sich heute nicht wohl und ruht sich am Vormittag lieber noch etwas aus, während Tayler und ich uns über die Hängebrücke auf den Weg in den Dschungel machen. Es gibt einen „Botanical Path“. Mit tollen Schautafeln ist verständlich erklärt wie ein Regenwald funktioniert und was überhaupt ein Regenwald ist. Ein tropischer Regenwald benötigt dauerhaft heiße Temperaturen und jeden Monat mindestens 200mm Regen und dazu noch jede Menge Sonnenschein. Bei uns in Europa scheint gerade im Winter viel zu wenig die Sonne.

Auf dem etwa 3km langen Weg gibt es eine Menge zu sehen. Bäume, die von anderen Bäumen umschlungen sind, Moose die an den Lianen wachsen, die wiederum an den Bäumen herunterhängen. Bäume und Äste, die wie Spiralen wachsen. Farne die so groß wie ein Haus sind. Kein Baum wächst für sich alleine, an jedem Baumstamm wachsen fünf, sechs oder noch mehr andere Pflanzen in die Höhe. Auf den Ästen und in den Baumkronen wachsen wieder andere Pflanzen, ja sogar manchmal andere Bäume. Wie bei einem Wettrennen um die besten Plätze an der Sonne. Als ich ein Foto von einem Farn machen möchte, landet ein kleiner Schmetterling auf meinem Daumen und schaut mich an. Er ist sogar so zahm, dass ich Zeit habe um ihn auf meinem Finger in Ruhe zu fotografieren.

Nach dem Mittag ist dann auch wieder Amanda dabei und wir gehen mit einem Guide zum Canopy Walk, einem Hängebrückensystem in den Baumkronen. Der Weg führt über schmale Bretter von Baumkrone zu Baumkrone und ist ziemlich wackelig. Aber dafür ist die Aussicht toll! Wir hören eine Menge Tiere, aber leider verstecken sich die Tiere vor uns. Dafür geht es über kleine Flüsse hinweg. Nach dem Spaziergang in der Höhe geht es auf zu einer Höhle. Mit unserem Guide besichtigen wir zuerst die Lang Cave, die aber gar nicht so lang ist, aber dafür unheimlich viele Stalagtiten und Stalagmiten hat. Einige sehen aus wie Tintenfische und andere wie große Haufen Scheiße. Aber alles ist aus Stein und überall tropft es. Das Wachstum hier geht weiter. Aber auch Spinnen und Schlangen wohnen hier unten. Die Höhlen hier sind nur für kurze Zeit beleuchtet und für Besucher zugänglich um das Klima hier nicht zu stark zu verändern. Nach der Tropfsteinhöhle geht es direkt nebenan in die Deer Cave. Diese Höhle ist eine der größten der Welt und wird von 2-3 Millionen Fledermäusen bewohnt. Und dementsprechend stinkt es auch nach Fledermausscheiße. Aber die Höhle ist riesig. An einigen Stellen ist sie mehr als 120m hoch. Wie klein wir uns als Menschen in dieser riesigen Halle vorkommen.

Auf der anderen Seite der Höhle ist ebenfalls ein Eingang bzw Ausgang der in den „Garden of Eden“ führt. Diese Höhle ist wirklich beeindruckend. Als wir wieder aus der Höhle heraus gefunden haben stehen wir wieder am gleichen Punkt wie am gestrigen Abend, von dem aus wir den Flug der Fledermäuse beobachten konnten. Und genau in diesem Moment starten die Fledermäuse wieder ihren Jagdausflug. Heute ist das Spektakel noch intensiver, denn das Wetter ist bei strahlendem Sonnenschein ideal und der Strom der fliegenden Fledermäuse reißt nicht ab. Kontinuierlich fliegen sie aus der Höhle und über uns hinweg. Dieses Ereignis lässt sich noch einmal richtig genießen. Für mich steht jetzt bereits fest, dass Mulu ein Highlight auf meiner Tour durch Malaysia ist.

Am Abend startet Tyler noch seine Drohne um den Sonnenuntergang aus der Luft festzuhalten. Und so bekommen wir noch eine tolle Aussicht auf den Dschungel von ganz oben.