Cameron Highlands: Im Dschungel verlaufen…

28.06.2017

Heute klingelt bei mir mal der Wecker etwas früher, denn ich will wandern gehen. Aber ich bin nicht der Erste Frühaufsteher. Ich teile mir ein Zimmer mit drei Studentinnen aus Holland, einer Studentin aus England und einem Chinesen. Eine der Holländerinnen reist heute weiter zu ihrem nächsten Ziel. Und für mich steht Wandern auf dem Programm.

In diesen Bergen gibt es wundervolle Wanderwege durch Regenwald und Dschungel. Ich entscheide mich für eine Tour, die erst im Nachbardorf beginnt und auf den Gipfel eines Berges in der Nähe führt. Der Berg ist etwa 2000 Meter hoch und mit dichtem Wald bewachsen. Ich starte um 8Uhr meinen Fußmarsch in den nächsten Ort nach etwa 1,5 Stunden habe ich dann den Eingang in den Wald gefunden. Zwei andere Eingänge bzw. ganze Wanderpfade sind wohl aus Sicherheitsgründen gesperrt. Nach wenigen Metern bin ich im dichten Wald und versuche mich zu orientieren. An einigen Bäumen sind rote Pfeile aufgemalt. An anderen hängen Fetzen von Absperrband. Auf einem Schild lese ich, dass dieses der neue Pfad ist und seit etwa einem halben Jahr besteht. Auf dem Schild steht, dass ich für die Strecke von 3.1km etwa 5-7 Stunden einplanen müsse. Ok?! Das hört sich anstrengend an. Auf jedenfall bin ich hier richtig.

Es geht über Wurzeln immer weiter den Berg hinauf. Teilweise kann ich nicht erkennen wo der Weg entlang führt. Ich halte fleißig Ausschau nach den roten Pfeilen und den Plastikfähnchen und gleichzeitig schaue ich auf dem Boden, ob ich nicht auf irgendwas gefährliches trete, wie Spinnen oder vielleicht sogar Schlangen. Nach etwa 30min entdecke ich auf dem Weg einen einfachen Unterstand aus Ästen und Planen. Ich bin also doch nicht der erste Mensch hier.

Ich sehe grün. Überall ist es grün. Hellgrün. Dunkelgrün. Blaugrün. Gelbgrün. Grün. An den Bäumen wachsen Moose, und auf den Ästen der Bäume wachsen wieder andere Bäume. Hier wächst einfach alles und überall. Egal wie und egal wo.

Ich höre die ganze Zeit irgendwelche Tierstimmen, die ich aber nicht zuordnen kann.  Ich erschrecke mich fast zu Tode, als ich direkt hinter mir, und ich meine direkt und nicht etwa einen Meter oder einen halben, direkt hinter mir höre ich wie etwas durch den Busch klettert. Will mich ein wildes Tier zum zweiten Frühstück verspeisen?

Aber nein, es war nur eine Liane die sich hier in meinem Rucksack verfangen hat. Ich Schisser.

Ein Stück geht es durch ein Bambuswäldchen, dort dringt mehr Licht durch das Dickicht des tropischen Waldes und plötzlich stehe ich auf einem kleinen Gipfel mit einer an ein paar Büsche befestigten malaysischen Flagge. Die Aussicht von hier ist toll. Von hier geht der, sagen wir mal Weg, obwohl es eigentlich noch weniger als ein Trampelpfad durch die Büsche ist, wieder leicht bergab.

Dann höre ich ein paar Stimmen. Herrlich. Man fühlt sich schon ziemlich verloren alleine in diesem dichten Wald. Ich bin ein wenig erleichtert wieder auf Menschen zu treffen. Ein Pärchen aus Holland kämpft sich ebenfalls durch den Wald. Ab hier verwandelt sich der Pfad auch eher in eine Kletterpartie über Wurzeln und an Lianen entlang, steile und extrem matschige und rutschige Abhänge hinauf und hinab. Man muss aufpassen an welcher Liane man sich festhält, denn einige sind mit kleinen spitzen Dornen versehen. Teilweise geht es auf dem Hintern rutschend durch den Matsch. Um uns herum ist nur dichter Wald.

Nach etwa 3 Stunden haben wir es geschafft. Wir sind wieder auf einer geteerten Straße angekommen und direkt neben uns ist der Eingang zum offiziellen „Mossy Forest“, dem Mooswald. Die Touristen-Variante die man über Bretterwege begeht ist allerdings kein Vergleich zu dem, was ich in den letzten Minuten gesehen habe doch ziemlich langweilig.

Nach der anstrengenden Wanderung machen wir, das holländische Pärchen und ich, uns dann auf der Straße auf den Weg zu einer Teeplantage mit Restaurant. Der Weg führt durch malerische Teefelder an den Berghängen, ist aber doch länger und anstrengender als gedacht. Wir beschließen von dort mit dem Taxi zurück kann nach Tana Ratah zu unseren Hotels und Hostels zu fahren. Aber erstmal lassen wir uns den leckeren Erdbeerkuchen und eiskalten Eistee schmecken.

Und direkt vor der Tür steht ein Taxi. Bestens. Denken wir zumindest. Aber der Taxifahrer erklärt uns, dass er bereits gebucht ist, und das es schwierig sein wird überhaupt ein Taxi zu bekommen. Auf der Straße durch die Berge ist wohl ein ziemlicher Verkehrsstau, da die Ferien langsam zu Ende gehen. Na klasse! Dann müssen wir bis zu Hauptstraße wohl laufen und von dort versuchen ein Taxi zu bekommen. Auf dem Weg sammelt uns aber freundlicherweise eine chinesische Familie ein und wir dürfen etwa 4km auf der Ladefläche des Pick-ups mitfahren. Danke schön!

Jetzt sehen wir auch den Verkehrsstau. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg und können einen großen Teil im Schatten eines LKW laufen, der etwa die gleiche Geschwindigkeit hat wie wir. Nach ein paar Kilometern löst der Stau sich aber zumindest in eine Richtung auf und wir werden von einem Araber mitgenommen. Als wir ihm für die Strecke noch ein paar Geldscheine geben wollen, lacht er und winkt ab. „no no….. That’s for free“ und winkt uns freundlich zu und fährt weiter. Nochmal Danke schön!

Beim Abendessen unterhalte ich mich mit Viority, der Engländerin aus meinem Zimmer, über unsere Erlebnisse aus Nepal, denn sie war erst vor wenigen Wochen an den Orten, an denen ich vor ein paar Jahren war bevor das große Erdbeben vieles zerstört hat.