Madagaskar Tag 1: Es geht los! Oder doch nicht?

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23.6.2016

Warten…..

So kann man natürlich auch entschleunigen. Und im Urlaub soll man sich ja auch erholen und zur Ruhe kommen. Als erstes warte ich auf die Berliner Ringbahn. Es fallen gleich mehrere Zuge hintereinander aus. Wegen einer Zugstörung. Oder etwa weil es der Bahn einfach zu warm ist? Das Thermometer zeigt etwas über dreißig Grad an. Ja da wird es Zeit für eine Abkühlung. Also geht es in den Winterurlaub auf die Süd-Halbkugel unseres wundervollen Planeten. Aber wie gesagt: erst einmal heißt es warten.  Irgendwann fährt die Ringbahn doch und ich komme pünktlich am Berliner Flughafen Tegel an.  Und nun heißt es Schlange stehen und wieder warten. Dieses mal am Check-In meiner Airline. Ganz entspannt. Ich hab ja Zeit.  Hinter mir steht ein Berliner Koreaner und wir quatschen ein bisschen.  Er fliegt zu seiner Familie nach Seoul. Nach einer gefühlten Ewigkeit bin ich an der Reihe und erfahre,  dass in Amsterdam schlechtes Wetter ist  und deshalb alles etwas später startet. Also dann….  Warte ich mal ab.

Ich bin gespannt was mich erwartet auf meiner Tour nach Madagaskar. Aber ich fange einfach mal von vorne an zu erzählen. Es geht also nach Madagaskar. Anfang des Jahres fiel die Entscheidung dieses Jahr einen Trip nach Madagaskar zu unternehmen.  Ich wollte ja endlich mal wieder nach Afrika. Vor ein einigen Jahren war ich ja bereits mit Thomas im südlichen Afrika unterwegs. Die Camping Tour war wundervoll. Nach unzähligen Stunden in Afrika-Reise-Portalen fiel dann die Entscheidung auf die Insel Madagaskar im Südosten des afrikanischen Kontinents.

Ich will in die Natur. Ich will zelten. Ich will wandern. Ich will Tiere sehen.

Aber organisiere ich alles selbst? Kommt jemand aus meinem reisefreudigen Freundeskreis mit? Oder mit einer Gruppe?

Da bei den anderen entweder andere Reiseziele oder Kinderkriegen für dieses Jahr auf dem Programm stehen, und alleine Reisen mir einfach zu langweilig ist wird es eine Gruppenreise eines australischen Anbieters. Auf dem Programm stehen verschiedene National Parks mit Wanderungen und einige Tage paddeln in einem Kanadier (Kanu). Etwa die Hälfte der drei Wochen werden wir im Zelt übernachten. Jetzt sitze ich am Airport in Berlin und bin gespannt auf die Gruppe die mich erwartet,  aber auch auf das Land. Die Auswahl der Reise Videos bin Youtube.de war doch sehr übersichtlich.

Und weil ich auf Madagaskar entspannen will, habe ich soeben mein Smartphone offline gestellt. Drei Wochen kein Facebook, keine Mails, kein WhatsApp und auch keine Nachrichten. Bei meinem Abflug ist Deutschland und Island gerade ins Achtelfinale der Fußball – EM gekommen,  Erdogan legt sich wieder einmal mit der EU an und die Briten entscheiden ob sie lieber ohne die EU Leben wollen.

Das einzige wofür ich mein Smartphone nutze wird für das Schreiben meines Reise-Tagebuches sein. Ich beobachte die Menschen um mich herum am Gate. Irgendwie tun mir die vielen Surfer und Mails-Checker in meiner Umgebung ein bisschen leid.

Mittlerweile sehe ich,  dass mein Flug mit mehr als zwei Stunden Verspätung starten wird.  Ups. So bekomme ich meinen Anschluss nach Nairobi und dann nach Antananarivo bestimmt nicht. Ich frag einfach mal,  wie es weitergeht und stell mich in die Schlange am Boarding-Schalter um zu erfahren wie es weitergeht. Hinter mir steht ein Israeli und ist ziemlich unentspannt weil er ja nun seinen Flug verpassen wird…..

Nach etwa einer Stunde bin ich an der Reihe und erfahre, dass ich wohl meinen Anschluss-Flug verpassen werde.  Ach was!?

Ich muss nun umbuchen und dazu wieder raus aus dem Terminal und zurück zum Ticket Schalter.  Ich reihe mich voller Erwartung in die Schlange ein. Und wer steht da von mir in der Schlange? Der Berliner Koreaner! Wir begrüßen uns schon per Handschlag. Leidensgenossen halt. Er bekommt einen neuen Flug,  muss aber sein Gepäck selbst neu einchecken und dazu erst wieder am Gepäck Schalter des Zolls am anderen Ende des Airports abholen. Laufen ist angesagt, da der Ersatzflieger in etwa einer Stunde startet.

So,  nun bin ich an der Reihe. „nach Antananarivo? Ui. Das wird schwierig…..“ Als der wirklich nette Kollege von KLM gerade einen Flug für den nächsten Morgen herausgesucht hat, teilt ihm gerade seine Kollegin mit,  dass das Gepäck Band nicht mehr funktioniert. Neben uns stehen einige oder sogar alle Schalter zum einchecken still.  Das Chaos ist perfekt. Mein Gegenüber organisiert mit zwei Telefonen gleichzeitig eine andere Lösung. Er versucht es zumindest,  muss aber dann doch den Fluggästen mitteilen,  dass ihr Gepäck später nachgeschickt wird…. Chaos perfekt.

Mittlerweile ist auch der Israeli an meinem „ich-brauch-ein-Neues-Ticket“ – Schalter eingetroffen. Während wir quatschen und der KLM Mitarbeiter versucht das Gepäck Band wieder zum Laufen zu bringen sehe ich,  wie eine junge Frau,  die neben den Schaltern wartet ziemlich käseweiß langsam in sich zusammensackt. Zu zweit haben wir sie schnell im Griff und legen ihr die Beine hoch. Die Kollegin am Schalter telefoniert nach dem Rettungsdienst. Und die junge Frau sackt uns weiter weg und wird bewusstlos. Gut,  dass die stabile Seitenlage aus meiner aktiven Feuerwehrzeit noch ziemlich gut sitzt.  Und prompt höre ich von hinten: kann ich helfen? Ich bin Arzt. Bingo! Und kurze Zeit später ist auch die Feuerwehr da und kümmert sich um die Frau.

Mittlerweile läuft das Gepäck Band immer noch nicht. Aber ich bekomme ein neues Ticket für den nächsten Tag. Zumindest bis Nairobi. „das Ticket von Nairobi nach Antananarivo bekommen Sie in Nairobi.  Das kann ich hier nicht drucken.“ okay, aber das wird sportlich bei gerade mal 50min Aufenthalt in Nairobi. Das wird dann wohl ein Sprint werden.  Apropos Sprint. Als ich gerade mein Ticket erhalte klopft mir jemand auf die Schulter. Ich drehe mich um und vor mir steht der Berliner Koreaner. Mit seinem kompletten Gepäck. „Hey,  müsstest du nicht längst im Flieger sein?“ Die Maschine hatte sich gerade auf dem Weg zur Startbahn gemacht,  als er mit seinem Gepäck ankam….. Da geht’s für ihn auch erst morgen weiter.

Apropos Gepäck: mein Gepäck hatte ich ja bereits vor Stunden abgegeben als das Gepäck Band noch funktionierte. Aber um sicherzustellen dass es auch mit meinem neuen Flug auf die Reise geht soll ich am besten am Gepäck Schalter Bescheid geben,  dass ich einen neuen Flugplan habe. Ihr erinnere mich: das war doch am anderen Ende des Flughafens!

Na ja….. Ich hab ja heute Abend nichts weiter vor.

Und da man sich immer dreimal im Leben trifft,  treffe ich in der Warteschlange am Gepäck Schalter den Israeli wieder.

Gegen 22Uhr bin ich dann wieder per Taxi zuhause in Köpenick mitsamt meinem Gepäck wieder angekommen. Ich werde es morgen früh noch einmal aufgeben und den heutigen Abend mit einem kalten Berliner Pilsener aus meinem eigenen Kühlschrank ausklingen lassen bevor es ins Bett geht. Man sollte also immer kaltes Bier im Kühlschrank haben. Auch wenn man mal nicht zuhause ist.  Vielleicht ist man ja doch mal zuhause. Morgen früh um 6uhr ist das Taxi bestellt für einen neuen Versuch nach Madagaskar zu reisen.