04. Februar 2020
Heute morgen gibt es ein Frühstück aus dem Supermarkt. Und anschließend gehe ich die wenigen Meter zum Bahnhof, denn dort hat mein Autoverleiher seinen Sitz. Aber das Office ist geschlossen. Nur eine Putzfrau wirbelt im Bahnhofsgebäude den Feudel. Am Telefon verspricht mir der Autoverleiher, dass er in etwa einer Stunde da sein wird. Vielleicht auch in 70min. Ich gehe derweil in ein sehr gemütliches Café neben an und genieße drei leckere Kaffee. Hier oben im Norden Skandinaviens kann man übrigens extrem guten und starken Filterkaffee kochen. Tasse Kaffee: 2,-€ Nachfüllen 0,50€.
Nach fast 2 Stunden habe ich dann endlich mein kleines Auto, einen Hyundai Yaris Hybrid. Meine erste Tour mache ich zum Hafen in der Nähe. Hier fährt kein Schiff mehr. Zumindest nicht im Winter, denn die Ostsee ist fest zugefroren. Viele Wege führen über das Eis auf Inseln oder dienen als Abkürzung. Auch Autos fahren auf dem Eis. Dann geht’s auf die Piste. Ich habe etwa 300km?? Vor mir. Die Straßen sind alle vereist. Eine 2-5cm dicke Eisschicht bedeckt den Asphalt. Aber in das Eis sind viele Rillen gefräßt. Zusammen mit den Spikes in meinen Reifen macht das eine doch ziemlich stabile Fahrt möglich. Meine Fahrt führt durch unendlich lange Nadelwälder, die immer wieder mit Birken durchsetzt sind. Ab und zu stehen in der Nähe Holzhäuser oder kleine Farmen.
An einigen kleinen Flüssen ist das Wasser noch nicht überall gefroren, und dort wo das fließende Wasser zu sehen ist, steigen dampfende Wolken empor. Die Außentemperatur zeigt mir an einigen Orten -23°C an. Da ist das fließende Wasser schon mehr als 20°C wärmer. Und immer noch ziemlich kalt.
An einem Tierpark mache ich eine kurze Kaffee-Pause. Als ich wieder zum Auto gehe, höre ich am Himmel einen Knall. Dann sehe ich einen Kampfjet und Kondensstreifen. Der Jet macht verschiedene Loopings am Himmel und läßt sich immer wieder zu Boden taumeln oder fallen um dann wieder durchzustarten. Naja, so vielen Menschen kann er hier oben ja nicht auf den Kopf fallen. Bei dem Zoo verkauft man übrigens auch Eiscreme. Bei mehr als -20°C!
Das Licht der untergehenden Sonne und die vereisten Bäume gehen ein wunderschönes Bild ab!
In der Dunkelheit erreiche ich meine Unterkunft „Villa Iglu“. Es handelt sich nicht um ein Iglu, sondern um ein Holzhaus aus dicken Baumstämmen. Mein Holzhaus liegt idyllisch weitab von der Strasse an einem zugefrorenen See. Ich werde von zwei Schweizern und einem Deutschen erwartet. Die drei sind House-Sitter für dieses traumhafte Fleckchen Erde. Für mehrere Monate betreuen die drei hier Gäste für freie Kost und Logie. Bis spät in die Nacht sitzen wir beim Bier und erzählen von unseren Erlebnissen. Ich bin in dieser Nacht der einzige Gast. Gegen 23Uhr schlagen unsere Handys Alarm: Es gibt die Möglichkeit von 20% Polarlichter zu sehen. Wir machen uns auf den Weg auf den See um eine weite Sicht in Richtung Norden zu haben. Als erstes erkennt meine Kamera einen grünen Schimmer. Der Sensor ist für Polarlichter viel empfindlicher als das menschliche Auge. Zu sehen ist der grüne Schleier nur sehr schwach und weit entfernt durch eine milchige Wolkendecke.