Skandinavien im Winter #05: Ein versunkenes Schiff

29. Januar 2020
Nach dem Frühstück bringe ich mein Gepäck wieder zum Bahnhof, denn am Abend fährt mein Nachtzug in Richtung Norden. Aber heute steht für den Rest des Tages noch Sightseeing auf dem Programm. Vorbei an mehreren Parks, die jetzt im Winter doch eher etwas kahl und grau aussehen und an einer Allee mit prächtigen Villen geht’s mal wieder auf eine Insel, denn Stockholm ist in einem Archipel auf mehreren Inseln gebaut. Diese Insel ist mit unzähligen Museen und Parks bedeckt. Am anderen Ufer kann man die Kuppeln und Türme der Kirchen sehen. Mein Ziel heute morgen ist das Vasa-Museum. Dieses Museum ist einem Schiff mit dem Namen Vasa gewidmet. Die Vasa ist 1628 gebaut worden und auf ihrer Jungfernfahrt nach nur 1500m (NICHT km!) direkt im Hafen gesunken. Das Schiff war eine Fehlkonstruktion, denn der Schwerpunkt lag viel zu hoch und so reichte es aus, das eine Windböe das Schiff soweit in Schieflage brachte, dass das Wasser durch die Luken der Kanonen eindrang. Die Vasa sank innerhalb nur weniger Minuten.
Erst im Jahr 1961 wurde es geborgen. Über 17 Jahre dauerte die Konservierung des Holzes vor dem Verfall. Anschliessend wurden rostige Eisennägel nur moderne Edelstahlnägel ausgetauscht. Die Konservierung dauert noch immer an. Dieses Schiff „Vasa“ hat vor einigen Jahren ein eigenes Museum bekommen. Natürlich ganz speziell klimatisiert. Im Zentrum dieses Museums liegt das restaurierte Schiff. Auf 6 Ebenen um das Schiff herum wird wirklich toll über einen Audio-Guide erklärt, wie das Schiff sinken konnte, aber auch wie es gebaut wurde und wie im 17. Jahrhundert die Menschen auf so einem Schiff lebten. Interessant fand ich, dass Wasser auf langen Touren schnell schlecht wurde und so wurde dann halt Bier für die Matrosen mitgenommen. Das hält einfach länger. An einem Modell und an Repliken kann man sehen, wie prachtvoll und vor allem bunt das Schiff einst gewesen ist. Im Wrack fanden die Forscher auch einige Skelette. Anhand dieser Skelette konnte man feststellen, welche Krankheiten die Menschen damals hatten und wie ihre Ernährung ausgesehen hat. Das Vasa-Museum ist definitiv einen Besuch wert!
Am Nachmittag geht’s für mich durch leichten Regen direkt auf die andere Straßenseite: Das Nordische Museum. Dieses Museum sieht von Außen aus wie ein prachtvolles Schloss. Wenn man durch die Eingangspforte in den großen Saal hineintritt, wird man direkt von einem großen, steinernen König auf einem Tron sitzend empfangen. Der Saal ist fünf Etagen hoch und an der Decke werden Videos zur gerade stattfindenden Sonderausstellung „schmelzende Arktis“ gezeigt. Im museum wird das Leben und Wohnen in Schweden in den letzten Jahrhunderten dargestellt. Bauernhöfe, Stadtwohnungen, Möbel und natürlich gibt es auch noch eine eigene Abteilung für die Samen im Norden Schwedens, in Lappland.
Nach meinem Museumsbesuch fahre ich mit der Fähre zur Altstadt hinüber und schlendere noch ein wenig durch das Labyrinth der Gassen. Inkl einer Kaffeepause.
Rückblickend muss ich sagen, dass Stockholm mir sehr gut gefallen hat. Im Sommer ist es wahrscheinlich noch schöner. Stockholm wird auch Venedig des Nordens genannt mit seinen vielen Inseln und Flüssen und Kanälen.
Heute fährt mein Zug sogar pünktlich ab. Ich teile mir ein 6er Schlafabteil mit drei Ukrainern, die erst einmal extrem lange brauchen um ihr Gepäck zu verstauen. Am Abend gibt es dann noch eine Durchsage, dass der Zug nur bis Gällivare fährt und dort Busse bis nach Abisko zur Verfügung stehen. Bis nach Narvik könne derzeit wohl kein Bus fahren, die Strasse sei wegen schlechtem Wetter gesperrt. Da die Durchsage allerdings nur auf schwedisch ist und nicht auf englisch wiederholt wird, frage ich eine Zugbegleiterin, was denn gerade durchgesagt wurde. Sie erklärt es mir und macht mir Hoffnung, dass die Strasse wohl schon heute Nacht wieder geöffnet werden soll. Mit dieser Hoffnung gehe ich dann ins Bett. Und schlafe ziemlich schlecht im wackeligen Zug, dessen Klimaanlage entweder zu warm oder zu kalt eingestellt ist.