Skandinavien im Winter #08: POLARLICHTER!

01. Februar 2020
In der letzten Nacht konnte ich keine Polarlichter sehen. Es war einfach zu wolkig. Über eine App auf dem Smartphone kann man sich alarmieren lassen, sobald die Aktivität der Sonne und die lokale Wetterlage so zusammen passen, dass man Polarlichter sehen kann. Über eine LiveCam kann man sich auch die aktuelle Lage anschauen, ohne bei zweistelligen Minusgraden vor die Tür zu müssen.
Nach dem Frühstück mache ich mich auf zu einer Wanderung in den Nationalpark. Heute ist es gar nicht so kalt wie gestern. Nur -4°C zeigt das Thermometer an. Die Sonne ist um kurz vor 10Uhr gerade aufgegangen, aber die schneebedeckte Winterlandschaft liegt in einem schummrigen Licht. Die Sonne wird heute für etwa 4 Stunden „scheinen“. Auf der anderen Seite des gefrorenen Sees sind sogar die schneebedeckten Berge zu erkennen. Eine Szenerie aus unterschiedlichen weiß und grautönen.
Der Weg im Nationalpark führt erst an einer Schlucht entlang, durch die ein Fluss fließt, der fast komplett zugefroren ist. Dicke Eiszapfen hängen an den Felsen herunter und kleine Wasserfälle führen gefroren in die Schlucht. Auf dem Eis des Flusses liegt eine etwa 1m dicke Schneeschicht. Auf dem Weg ist es total still. Ich bin der Erste, der hier heute Vormittag seine Fußspuren hinterlässt. Nur ein paar Tiere waren vor mir hier. Die unterschiedlichsten Tierspuren führen mal auf dem Weg entlang oder kreuzen ihn. Der Weg selbst ist durch Stangen mit einem großen roten Kreuz markiert, sowie mit Markierungen an Bäumen. Ab und zu komme ich vom Weg ab, da der Pfad mit Schnee zugeweht wurde. Und sobald ich diesen festgetretenen Pfad verlasse, versinke ich bis zur Hüfte im tiefen Schnee. Etwas später teilt sich der Weg und der Teil, der mit den großen roten Kreuzen markiert ist, führt als Fernwanderweg weiter Richtung Süden. „Mein“ Weg führt mit Markierungen an den Bäumen weiter. Nach etwa einem Kilometer ist der Weg nicht mehr zu erkennen und ich stecke immer wieder bis zur Hüfte im Schnee. Ich entschließe mich hier umzudrehen und den Weg wieder zurückzugehen. Als ich fast wieder in der „Zivilisation“ angekommen bin, kommen wir auch andere Wanderer entgegen. Gerade die Asiaten sind so dick angezogen, als seien Sie am Nordpol unterwegs.
Nach einer warmen Dusche genieße ein leckeres Mittagessen und lege anschliessend die Beine hoch und genieße die wundervolle Aussicht aus dem Kaminzimmer des Hotels auf die Winterlandschaft und den gefrorenen See. Der Schneefall wird auch wieder stärker. Gegen 14:50Uhr geht die Sonne unter und es wird langsam immer dunkler. Ob ich heute Polarlichter sehen werde?
Am Abend checke ich ständig die lokale Webcam und meine Aurora-App. Auf der Webcam kann ich gegen 21 Uhr ab und zu einen Stern erkennen und meine Polarlichter Alarm App sagt mir, das ich in 20min die Nordlichter sehen könne. Ich packe meinen Rucksack mit Kamera und Stativ und auf geht’s ob Richtung Strand der etwas 1km entfernt liegt. Aber die Wolkendecke reisst nicht auf. Ich entscheide mich für den Rückweg. Vielleicht habe ich ja später mehr Glück. Auf dem Rückweg treffe ich noch eine Gruppe Inder, die mich nach den Nordlichtern löchern. Ich entscheide mich ein Bier zu trinken und dann noch einmal zu schauen ob der Wolken verdeckte Himmel aufreist.
Ein Bier später alarmiert mich wieder meine App und die Webcam zeigt wieder den einen oder anderen Stern. Ich mache noch erneute auf den Weg zum Strand. Dort treffe ich wieder die Gruppe Inder. Und die Polarlichter erscheinen im gleichen Moment. Das ist Timing!
Erst zeigt sich ein schwacher grüner Streifen an Himmel. Dann wird das grün des Streifens immer stärker und bald wabert ein grün strahlendes Band am Himmel über mir. WOW! Ist das schön! Über dem Berg steht der Mond in halber Größe und gleichzeitig leuchtet der Himmel mit grünen Bändern über mir. Atemberaubend ist es, als eines dieser Bänder direkt über mich zieht um dann als lange grün leuchtende Fahnen den ganzen Himmel über mir einnimmt. Das ist wirklich schön. Auch bei – 14°C! Und ganz nebenbei gebe ich den Indern noch eine kleine Einweisung in die Astrofotografie.
Glücklich und durchgefroren falle ich morgens um halb zwei ins Bett.