31. Januar 2020
Heute morgen starte ich einen neuen Versuch um nach Narvik zu kommen. Nach dem Frühstück treffe ich im Hotel-Foyer einen Busfahrer mit dem ich gestern bereits gesprochen habe. Er sagt mir, dass es klappen könnte mit der Überquerung des Passes und der Grenze nach Norwegen. Aber zur Zeit ist die Strasse wohl noch gesperrt. Ich entschliesse mich mitzufahren und es zumindest zu versuchen. Im Bus unterhalte ich mich mit einer Reisenden aus Freiburg und einem Deutschen, der seit einigen Jahren in Narvik wohnt und wie ich gestern bereits versucht hat ins norwegische Narvik zu gelangen.
Durch die grau-weiße Winterlandschaft geht es weiter in Richtung Norden. Der Bus fährt durch unendliche Wälder, deren Zweige mit einer dicken Schneeschicht bedeckt sind. Ich checke zwischendurch immer mal wieder verschiedene Seiten, ob die Straße geöffnet ist. Auf der offiziellen norwegischen Webseite für den Straßenverkehr ist keine Sperrung verzeichnet. Bei Google Maps gibt es keinen Hinweis zu einer Straßensperrung. Allerdings auf der offiziellen schwedischen Webseite für den Straßenverkehr springt mir ein eindeutiges Stop-Schild entgegen. Das Schild verschwindet auch nicht, als wir uns der Grenze nähern und mittlerweile sogar blauer Himmel zu sehen ist. In Abisko bzw an der Abisko Touristation ist erst einmal Schluss. Unser Busfahrer fährt mit einem weiteren Busfahrer noch weiter in das nächste kleine Dörfchen um zu prüfen, ob wir weiterfahren können oder nicht. Währenddessen unterhalte ich mich mit anderen Reisenden, die wohl schon seit mehreren Tagen auf die Weiterreise nach Narvik warten. Jedes mal wenn der Bus stoppt, bildet sich eine kleine Menschentraube und die Fragen sind fast immer: „Are you going to Narvik?“
Da ich am Montag auf der gleichen Strecke in umgekehrter Richtung wieder zurück muss und bis dahin keinesfalls die Bahn wieder fährt und der Busverkehr ja scheinbar auch nicht 100%ig gewährleistet ist, entscheide ich mich die nächsten zwei Nächte hier in Abisko zu bleiben und zu wandern. Vielleicht habe ich ja Glück und sehe sogar die Polarlichter!
An der Rezeption bekomme ich zu einem guten Preis ein Einzelzimmer mit Frühstück. Mittags gibt es in einem Meetingraum eine kurze Vorstellung des Nationalparks in dem mein Hotel steht und natürlich auch zu den hoffentlich zu erwartenden Polarlichtern. Am Nachmittag mache ich noch eine kleine Wanderung zu der Schlucht in der Nähe. Die Schlucht ist etwa 20-30m tief und an einigen Stellen ist das Eis aufgebrochen und man kann das Wasser darunter rauschen hören und fließen sehen. An einigen Stellen gibt es größere und kleinere Wasserfälle. An einem Wasserfall wird gerade auf Eis geklettert. Es ist kurz nach 14Uhr und ich bemerke schon, wie das Licht weniger wird. Hier oben etwa 400km nördlich des Polarkreises geht die Sonne viel früher unter. Wenn sie denn erst einmal aufgegangen ist.
Im Hotel treffe ich auch ein Pärchen aus Deutschland wieder, die ich am Vortag bei meinem Checkin im Hotel in Gällivare getroffen habe, als die beiden gerade ausgecheckt haben um nach Narvik zu kommen. Ihnen ist es auch nicht geglückt. Und auch die anderen Gäste um uns herum hat das gleiche Schicksal getroffen: Es geht nicht nach Narvik.