05. Februar 2020
Zum Frühstück habe ich alle Wünsche offen: Waffeln, Spiegelei, Müsli, Joghurt, Aufschnitt und natürlich Kaffee. Gegen 9Uhr fahre ich zum Oulanka Nationalpark etwa 20km entfernt. Die Sonne ist bereits vor wenigen Minuten aufgegangen und scheint orange durch die Bäume der Wälder. Im Nationalpark wähle ich die Route der „Kleinen Bährenrunde“ mit 12km Länge. Es gibt auch noch eine große Bährenrunde, die allerdings 82km lang ist und mehrere Tage dauert. Der Pfad ist bereits gut einlaufen: etwa 2 Fuß breit ist der Schnee zu einem stabilen Pfad festgetreten worden. Meine geliehenen Schneeschuhe lasse ich im Auto. An einigen Stellen führen Treppen Hügel hinauf oder hinab. Von den Treppen sind allerdings nur die Handläufe zu erkennen. Die Stufen sind verschneit und an mancher Treppe rutsche ich einfach nur runter. Das Gebiet wird von mehreren Flüssen und Bächen durchzogen. Einige sind auch bei -20°C nicht zugefroren und dampfen dank des Temperaturunterschieds durch die Täler. Zusammen mit der tief stehenden Sonne gibt das ein wundervolles Bild. Über die Wasserläufe führen tief verschneite Hängebrücken. Und immer wieder scheint die Sonne durch die verschneiten Tannen. Ich bin in einem Märchenwald. Die Bäume sind in weiß gehüllt. Der Weg führt oberhalb eines rauschenden Flusses entlang durch tiefen Schnee. Wenn ich auch nur einen Fuß neben den festgetretenen Weg setze, dann bin ich ziemlich schnell im tiefen Schnee bis zu Hüfte versunken. Der rauschende Fluss rauscht an einigen Stellen über gefrorene Stromschnellen und über gefrorene Wasserfälle hinab. Riesige gefrorene Wände aus Eis. An manchen Stellen liegt der Schnee so hoch, dass von den Schildern am Wegesrand nur noch wenige Zentimeter zu sehen sind.
Später führt der Weg durch ein Tal. Hier scheint der Schnee noch höher zu liegen. Am Ende des Tals führt eine steile Treppe etwa 100m bergauf. Es ist richtig anstrengend diese verschneite und vereiste Treppe emporzusteigen. Oben angekommen treffe ich eine Gruppe, die seit einigen Tagen auf der langen Bärenrunde mit 82km unterwegs ist und in den kleinen Holzhütten am Weg übernachtet. Das muss wirklich ein kaltes Abenteuer sein!
Ich versuche möglichst nicht in Richtung meiner Kamera zu atmen, aber ganz gelingt es mir nicht. Auf den letzen Kilometern ist nicht nur das Display meiner Kamera mit Eiskristallen bedeckt, sondern auch das vordere Glas meines Objektivs. Und das obwohl es mittlerweile um 10°C wärmer geworden ist. Das Thermometer in meinem Auto zeigt später nur noch -12°C an. Mittlerweile ist die Sonne auch hinter Wolken verschwunden und es beginnnt erst leicht zu Schneien und später geht der leichte in heftigen Schneefall über. Als ich mich auf den Weg nach Ruka mache um endlich einen heißen Kaffee zu trinken ist die Sichtweite nur noch etwa 50 oder 100m weit. Am Abend genieße ich wieder die wärmende Sauna in meinem Ressort „Villa Iglu“. Heute naht gibt es leider keine Polarlichter zu sehen.